Eine Zahl, die alles verändert
68,01 %. Das ist der Anteil aller US-amerikanischen Google-Suchen, die zwischen Januar und April 2026 ohne einen einzigen Klick endeten – weder auf eine organische Website, noch auf eine bezahlte Anzeige, noch auf eine Google-eigene Seite wie Maps oder YouTube. Das ergab eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie von SparkToro und Similarweb, die auf Clickstream-Daten von Similarweb basiert.
Konkreter ausgedrückt: Von 1.000 Google-Suchen landen heute nur noch 276 als tatsächliche Besuche auf einer Website im offenen Web. 2024 waren es noch 374 Klicks pro 1.000 Suchen. Dieser Rückgang um fast 100 Klicks je 1.000 Suchen innerhalb von zwei Jahren ist die schnellste Beschleunigung, die SparkToro seit Beginn seiner Messungen verzeichnet hat.
Zum Vergleich: Vor zehn Jahren endeten rund 45 % der Google-Suchen ohne Klick. 2019 waren es 49 %, 2024 bereits über 60 %. Die Kurve zeigt eindeutig nach oben – und sie beschleunigt sich. Wer seine Content- und SEO-Strategie noch immer auf Klickvolumen aus der Suchmaschine ausrichtet, arbeitet mit einem Modell, das die aktuelle Realität nicht mehr abbildet.
Was treibt den Zero-Click-Trend an?
Der wichtigste Treiber ist der flächendeckende Ausbau von Googles KI-Funktionen in den Suchergebnissen. Similarweb nennt die Einführung der sogenannten AI Overviews – KI-generierte Zusammenfassungen direkt auf der Ergebnisseite – als primären Beschleuniger der jüngsten Entwicklung. Diese Features sind inzwischen bei mehr als 20 % aller Suchanfragen aktiv und beantworten viele Fragen direkt, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer eine externe Seite aufrufen müssen.
Hinzu kommt ein Verhaltenswandel: Laut der SparkToro-Studie stieg im selben Zeitraum der Anteil der Suchen, die zu einer weiteren Google-Suche führten, um 7,2 Prozentpunkte. Google hält seine Nutzer also nicht nur auf der eigenen Plattform – es animiert sie aktiv, ihre Recherche dort fortzuführen, statt externe Seiten zu besuchen.
Besonders deutlich zeigt sich das Muster bei Mobilgeräten: Dort endet die Zero-Click-Rate laut verfügbaren Daten bei 77,2 % – deutlich höher als auf dem Desktop (50,6 %). Informationssuchen auf dem Smartphone verlassen Google in 84 % der Fälle ohne Klick. Selbst bei transaktionalen Suchanfragen – also solchen mit konkreter Kaufabsicht – endet auf Mobilgeräten fast jede zweite Suche ohne Klick (48 %).
Was bedeutet das konkret für Ihre Website?
Die Studie ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Aufruf zum strategischen Umdenken. Websites, die ausschließlich auf organischen Traffic durch generische Informationsartikel setzen, werden diesen Traffic nicht zurückbekommen – zumindest nicht in dem Umfang, der vor 2022 möglich war.
Was jedoch weiterhin funktioniert – und sogar an Bedeutung gewinnt – ist Markenpräsenz. Branded Searches, also Suchen, bei denen Nutzerinnen und Nutzer gezielt nach einem Unternehmensnamen suchen, machen nach verfügbaren Auswertungen rund 44 % aller Google-Suchen aus. KI-Systeme zitieren bevorzugt Quellen und Unternehmen, die sie bereits als bekannte Entitäten erkennen. Das Ziel lautet daher: Werden Sie eine benannte Marke – nicht nur eine Seite, die gut rankt.
Parallel dazu verändert sich die Qualität des verbleibenden Traffics. Adobe-Daten zeigen, dass Traffic aus KI-Quellen in der Frühphase 2026 bei US-Händlern um fast 400 % im Jahresvergleich gewachsen ist – und dieser Traffic konvertiert rund 42 % besser als konventioneller Traffic. Der Grund: KI-Systeme übernehmen die Vorqualifizierung. Wer über eine KI-Empfehlung auf eine Website gelangt, hat meist bereits eine konkretere Absicht.
Fünf Merkmale von Websites, die noch Klicks gewinnen
Cyrus Shepard von Zyppy hat 2026 mehr als 400 gewinnende und verlierende Websites analysiert und fünf Eigenschaften identifiziert, die den Unterschied machen. Diese Merkmale wirken kumulativ: Ein einziges Merkmal erhöht die Gewinnchance kaum (rund 15 %). Wer vier oder fünf dieser Eigenschaften vereint, gewinnt in 68 bis 70 % der Fälle.
Was sich daraus ableitet: Inhalte müssen als Referenzwerk aufgebaut sein – nicht als überzeugender Blogbeitrag, der auf einen Klick optimiert ist. Struktur, Tiefe, Vertrauenswürdigkeit und Markenbekanntheit sind die Währungen der neuen Suchökonomie. Wer diese Eigenschaften konsequent aufbaut, sichert sich nicht nur die verbleibenden Klicks – er positioniert sich auch für KI-Zitierungen und Agentic Search, also Suchanfragen, die künftig KI-Agenten im Auftrag von Menschen durchführen, ohne dass ein Mensch überhaupt aktiv sucht.
Was jetzt zu tun ist: Drei strategische Stellschrauben
Aus der Datenlage und den Analysen lassen sich drei konkrete Handlungsfelder ableiten:
1. Marke als Schutzwall aufbauen
Investieren Sie in Bekanntheit, die über Google hinausgeht: Presse, Podcasts, Community-Präsenz, Social Media – alles, was dazu beiträgt, dass Ihr Unternehmensname als eigenständige Suchanfrage eingegeben wird. Eine starke Marke ist der einzige nachhaltige Schutz vor algorithmischen Veränderungen.
2. Inhalte als Referenzquelle strukturieren
Erstellen Sie Inhalte, die KI-Systeme als zitierwürdig erkennen: klar strukturiert, faktenbasiert, mit echter Expertise hinterlegt. Die Logik dahinter ist einfach – wer als Quelle in einer AI Overview auftaucht, baut Markenpräsenz auf, auch wenn kein Klick folgt.
3. Nicht auf Traffic-Erholung warten
Der Rückgang organischer Klicks ist keine temporäre Delle, sondern die neue Normalstruktur der Suche. Jede Strategie, die darauf setzt, dass sich das Klickvolumen auf das Niveau vor 2022 erholt, baut auf einer falschen Prämisse. Setzen Sie stattdessen auf Conversion-Optimierung des verbleibenden Traffics und alternative Kanäle zur Nutzerakquise.
Fazit: 68 % sind keine Krise – aber ein Auftrag
Die SparkToro-Studie beschreibt keine Ausnahmesituation, sondern den Normalzustand des Webs im Jahr 2026. Googles Suchmaschine beantwortet immer mehr Fragen direkt – und das wird sich mit dem weiteren Ausbau von KI-Funktionen fortsetzen. Projektionen gehen davon aus, dass die Zero-Click-Rate bis 2028 auf 68 bis 72 % steigen könnte.
Das bedeutet nicht, dass SEO tot ist. Es bedeutet, dass sich der Zweck von SEO verschoben hat: weg vom reinen Klick-Trichter, hin zur Markenpositionierung in einem Ökosystem, das zunehmend von Maschinen moderiert wird. Unternehmen, die das verstehen und ihre Website-Strategie entsprechend ausrichten, werden von den verbleibenden 276 Klicks pro 1.000 Suchen einen unverhältnismäßig großen Anteil auf sich vereinen.
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