Google zieht den Stecker – aber nicht alle auf einmal
Wer Google Ads schaltet, muss sich auf eine der größten Plattformveränderungen der letzten Jahre einstellen: Google ersetzt Dynamic Search Ads (DSA) durch sein neues KI-gesteuertes Format AI Max for Search. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass alle betroffenen Kampagnen ab September 2026 automatisch umgestellt werden. Am 11. Juni 2026 ruderte Google jedoch teilweise zurück: Die automatische Migration reiner DSA-Kampagnen wurde auf Februar 2027 verschoben – auf ausdrücklichen Wunsch vieler Werbetreibender, die mehr Vorlaufzeit benötigten und ihr Q4-Geschäft nicht riskieren wollten.
Doch Entwarnung gilt nur bedingt. Denn für zwei wichtige Kampagnentypen bleibt der September 2026 der entscheidende Stichtag: Kampagnen mit Automatically Created Assets (ACA) und solche mit einer kampagnenweiten Broad-Match-Einstellung werden weiterhin ab September 2026 automatisch auf AI Max hochgezogen. Wer in diesen Kategorien aktiv ist und jetzt nichts unternimmt, verliert die Kontrolle über seine eigene Kampagnenkonfiguration.
Was genau ist AI Max – und warum macht Google das?
AI Max for Search ist Googles Antwort auf die zunehmende Komplexität des Suchverhaltens. Das Format nutzt KI, um Suchanfragen breiter zu matchen, Anzeigentexte dynamisch zu erstellen und Nutzer auf die aus Sicht des Algorithmus passendste Landingpage der eigenen Domain zu schicken – alles vollautomatisch. Google selbst gibt an, dass AI Max im Vergleich zu reinem Suchbegriff-Matching durchschnittlich 7 % mehr Conversions bei ähnlichem CPA bzw. ROAS liefert.
Klingt verlockend. Aber der Teufel steckt im Detail: Wer die Migration nicht selbst steuert, bekommt von Google Standardeinstellungen eingespielt – mit aktivierter Texterstellung, aktivierter Final-URL-Expansion und aktiviertem Search-Term-Matching. Das bedeutet: Der Algorithmus schreibt Anzeigentexte, wählt Suchanfragen aus und leitet Nutzer auf Seiten weiter – alles auf dem laufenden Budget, ohne dass Werbetreibende ihre eigenen Leitplanken definiert haben.
Welche Kampagnen sind konkret betroffen?
Drei Kampagnentypen stehen im Fokus der Umstellung:
- Dynamic Search Ads (DSA): Kampagnen mit dynamischen Anzeigengruppen – automatische Migration ab Februar 2027.
- Automatically Created Assets (ACA): Kampagnen, bei denen Google automatisch Anzeigenassets generiert – automatische Migration ab September 2026.
- Kampagnenweites Broad Match: Kampagnen, bei denen Broad Match auf Kampagnenebene (nicht Keyword-Ebene) eingestellt ist – ebenfalls automatische Migration ab September 2026.
Wer keine dieser drei Einstellungen nutzt, ist von der automatischen Umstellung im September zunächst nicht betroffen, kann AI Max aber freiwillig adoptieren. Wichtig: Ein Opt-out ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Die Migration findet statt – die einzige Frage ist, ob sie auf eigenen Bedingungen oder auf Googles Standardvorgaben passiert.
Aktuell zeigt Google betroffenen Konten im Interface ein „Upgrade campaign“-Banner an. Google stellt außerdem In-Plattform-Tools bereit, mit denen bestehende DSA-Einstellungen und historische Daten in Standard-Anzeigengruppen übertragen werden können.
Die Migrationsfahrplan im Überblick
Google hat den Prozess in klar abgegrenzte Phasen unterteilt:
- Phase 1 – Freiwillige Migration (jetzt bis August 2026): Werbetreibende können ihre Kampagnen selbst migrieren und dabei alle Einstellungen eigenständig konfigurieren.
- Phase 2 – Automatische Umstellung (September 2026): Alle noch nicht migrierten ACA- und Broad-Match-Kampagnen werden automatisch auf AI Max umgestellt. Die Erstellung neuer DSA-Kampagnen über Google Ads, den Editor und die API wird eingestellt. Google kündigt an, betroffene Konten vorab zu benachrichtigen.
- Phase 3 – Abschluss der Umstellung (Ende September 2026): Alle automatischen Upgrades für ACA und Broad Match sind abgeschlossen.
- Phase 4 – DSA-Sunset (Februar 2027): Verbleibende DSA-Kampagnen werden automatisch migriert. Die Erstellung neuer DSA-Kampagnen endet erneut im Januar 2027.
Was KMU jetzt konkret tun sollten
Die freiwillige Migrationsphase ist das strategische Zeitfenster. Wer es ungenutzt verstreichen lässt, riskiert nicht nur den Kontrollverlust, sondern auch einen suboptimalen Start ins Q4 – da die Lernphase des Algorithmus dann mitten in die umsatzstärkste Zeit des Jahres fällt.
1. Conversion-Tracking prüfen – bevor alles andere
AI Max optimiert ausschließlich gegen die Signale, die es sehen kann. Ein fehlerhaftes oder zu flaches Conversion-Tracking führt dazu, dass der Algorithmus still und leise auf ein falsches Ziel hin optimiert. Bevor irgendeine Einstellung angefasst wird, muss das Tracking sauber und vollständig sein.
2. Googles Upgrade-Tools nutzen und Einstellungen selbst definieren
Statt auf die automatische Migration zu warten, sollten KMU die bereitgestellten In-Plattform-Tools nutzen, um DSA-Einstellungen kontrolliert in Standard-Anzeigengruppen zu überführen. Besonders wichtig: Die eigenen Leitplanken für AI Max aktiv setzen. Das umfasst Brand-Ausschlüsse, geografische Einschränkungen und Text-Richtlinien. Nur wer diese Grenzen selbst zieht, behält die Kontrolle darüber, wo und wie die KI agiert.
3. A/B-Test vor dem vollständigen Wechsel
Google stellt eine Ein-Klick-Experiment-Funktion bereit, mit der AI Max gegen die bestehende Kampagnenstruktur auf echtem Budget getestet werden kann. Der entscheidende Hinweis: Nicht nur auf CTR schauen. Ein breiteres Matching kann die Klickrate steigern, während der Cost-per-Acquisition still ansteigt. Gemessen werden sollte bis zur Umsatzlinie.
4. Kreative Vielfalt sicherstellen
AI Max ist auf ausreichend Anzeigenvarianten angewiesen, um sein Potenzial auszuschöpfen. Wer nur eine müde Überschrift liefert, wird feststellen, dass AI Max dieselbe Schwäche in größerem Maßstab verstärkt. Mehrere Headlines und Descriptions, die unterschiedliche Nutzerintentionen ansprechen, sind keine Option – sie sind Voraussetzung.
Fazit: Die Verschiebung ist keine Ausrede zum Abwarten
Die Fristverlängerung für DSA auf Februar 2027 ist eine Erleichterung – aber kein Signal zum Zurücklehnen. Für ACA- und Broad-Match-Kampagnen läuft die Uhr weiterhin bis September 2026. Wer diese Monate nutzt, um Tracking, Leitplanken und kreative Assets in Ordnung zu bringen, geht mit einem konfigurierten, gut trainierten System in die heiße Q4-Phase. Wer wartet, bekommt Googles Standardeinstellungen – und trägt die Konsequenzen.
KMU, die sich bei der Migration unsicher sind, sollten jetzt handeln: Ein sauberes Google-Ads-Audit mit Blick auf Tracking, Landingpages und Kampagnenstruktur ist der erste und wichtigste Schritt, bevor Google die Entscheidungen übernimmt.
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